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So geht Startup-Finanzierung

Die verschiedenen Phasen der Startup-Finanzierung

Ohne Startups und ihre innovativen Ideen wäre unsere Welt um einiges ärmer. Dabei geht es nicht nur um rein technologische Innovationen, sondern auch um gesellschaftlich, ökonomisch und insbesondere auch ökologisch relevante. Zwar demonstrieren inzwischen schon TV-Sendungen wie „Die Höhle der Löwen“, wie Startups sich Risikokapital einwerben können. Dennoch ist das Thema Finanzplanung und Finanzierung vielen Entrepreneuren und leider auch vielen Beratern, die sie begleiten, nicht so klar. Darum hier ein paar grundlegende Infos zur Startup-Finanzierung.

Gründung

In der allerersten Phase spielt das Geld selbst noch eine untergeordnete Rolle. Hier geht es um Konzeptentwicklung, Netzwerkaufbau und Entwicklung von Prototypen bzw. Dummy-Versionen.

Finanzielle Unterstützung gibt es beispielsweise für Gründungen aus dem Hochschulkontext durch das EXIST-Programm. Häufig finanzieren Startups die erste Phase jedoch aus eigenen Mitteln bzw. mit Unterstützung von Familie und Freunden. Manche setzen auch bereits hier Crowdfunding als Finanzierungsinstrument ein. Das kann aber nur dann funktionieren, wenn das Unternehmenskonzept bzw. das Angebot schon ziemlich klar ist und man Chancen hat, über das Internet eine entsprechende Unterstützer-Crowd zu finden.

Öffentliche Beratungsförderung gibt es auch, allerdings sind die klassischen Vorgründungsprogramme eher auf traditionelle Betriebkonzepte fokussiert. Insofern muss man schon etwas suchen, um das richtige Tool zu finden.

Vielleicht besteht auch schon eine Chance, in einen Inkubator zw. ein Gründerzentrum aufgenommen zu werden. Diese bieten Existenzgründer*innen viele Vorteile. Das fängt bei der Bereitstellung von Arbeits- bzw. Büroräumen an. Es geht weiter über Service- und Dienstleistungspakete, Vernetzungsmöglichkeiten bis hin zu Beratung und Coaching.

Hilfreich sind Businessplan- und Gründer-Wettbewerbe.  Sie dienen dem Informationsaustausch und dem Netzwerkaufbau ebenso wie dem Marketing. Eine gute Übersicht über all diese Wettbewerbe in Deutschland gibt es -> hier.

Startup-Finanzierung 1: Seed-Phase

Jetzt geht es um die Vorbereitung des konkreten Markeintritts. Jetzt wird das Team auf- bzw. ausgebaut werden. Geld wird benötigt, um erste Gehälter zu zahlen. Ein Betaprodukt ist zu bauen und Tests durchzuführen. Marketing und Networking werden wichtiger.An dieser Stelle kommen „Accelerators“ ins Spiel. Sie ähneln in gewisser Weise den Inkubatoren bzw. Gründerzentren. Im Regelfall stellen große Konzernen diese zur Verfügung.  Sie erhoffen sich von den Startups wichtige Impulse für ihr eigenes Geschäft. Kritik dazu liefert ->folgender Artikel auf der Plattform www.gruenderszene.de.  Unter einem weiteren ->Link finden Sie zudem eine Übersicht über die verschiedenen Acceleratoren in Deutschland.

Als Finanzierungsinstrumente in der Seedphase kommen sowohl Crowdfunding / Crowdinvesting als auch – meist erst im nächsten Schritt – Business Angels in Betracht. Gute Business Angels helfen sowohl mit ihrem Kapital als auch mit ihrem Know-how und ihrem Netzwerk. Größere Rikokapitalgeber sind hier im Regelfalle noch nicht interessiert. Sie warten erst die weitere Entwicklung des Startups ab.

Startup-Finanzierung 2: Series A

Der Markteintritt hat stattgefunden und es gibt erste günstige Prognosen. Jetzt kommen die Venture Capital-Geber ins Spiel. Denn nun ist das Geld für den weiteren Geschäftserfolg entscheidend. Man muss die Produktionsmittel erweitern und Vertriebsstrukturen ausbauen, braucht mehr Person bzw. externe Dienstleister und muss verstärkt in Marketing investieren. Der Beratungsbedarf dreht sich nun vor allem um die richtige Strategie und den jeweils nächsten wichtigen Schritt. Denn der „Proof of Concept“ ist für’s erste erbracht.

Hier kommt nun der Zeitpunkt, Investoren einzuwerben. Man nennt diese erste Finanzierungsrunde „Series A“. Ehe die Investition(en) jedoch getätigt werden, muss zunächst der Wert des Startups bestimmt werden. Anhand dieser wird entschieden, wie viele Geschäftsanteile ein Investor zu welchem Preis erhält. Differenziert wird dabei zwischen einem „Post-Money“-Wert, bei dem das neue Kapital bereits eingepreist ist und dem Wert davor („Pre-Money“). Da die gängigen Methoden zur Unternehmensbewertung hier jedoch nicht anwendbar sind, sind Startup-Bewertungen im Wesentlichen nur Prognosen. Für Startups heißt das, geschickt zu verhandeln und sich von der besten Seite zu präsentieren. Fallstricke sind außerdem zu beachten, denn VC-Verträge sind sehr komplex und im Regelfall zeitlich begrenzt. Das heißt, Endziel ist oft der Exit.

Startup-Finanzierung 3: Series B

Geht das Wachstum des Unternehmens gut weiter, können weitere Finanzierungsrunden folgen. Ziel ist das weitere Wachstum, Fokus evtl. eine Internationalisierung oder die Marktführerschaft – und natürlich oft auch der Exit, sprich der Verkauf des Startups an ein anderes Unternehmen oder einen Konzern.

Manchmal scheinen weitere Finanzierungen auch als nur rettender Ausweg, weil die Dinge doch nicht so laufen, wie gedacht. Spätestens an diesem Punkt gilt es aus meiner Sicht inne zu halten und das Unternehmenskonzept  bzw. die Strategie zu überarbeiten.

Immer neues frisches Geld hilft nichts, wenn im System selbst etwas nicht stimmt. Nur wenn die Knackstellen aufgefunden und beseitigt werden können, ist frisches Kapital sinnvoll. Andernfalls besteht nur die Chance, dass Investoren „Geld verbrennen“. Diesen mag das selbst nicht wirklich weh tun, aber es schädigt aus meiner Sicht die Startup-Kultur an sich. Fehlertoleranz und Scheitern sollte zwar akzeptiert sein, aber schön ist Scheitern nicht. Und von vorneherein einkalkuliert wird es von seriösen Gründern, die viel Zeit, Kraft und auch Herzblut in ihr Startup investieren, nicht.

Startup Finanzierung

 

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Exit von Startups

Venture Capital

Crowdfunding-ABC

 

Pro und Contra gemeinnützige UG (haftungsbeschränkt)

Was sind die Vor- und Nachteile einer gUG (haftungsbeschränkt)?

In den letzten Wochen und Monaten hatten wir in unserer Beratungspraxis häufig Gründer*innen, die eine gemeinnützige UG / gUG (haftungsbeschränkt) gründen wollten bzw. schon gegründet hatten. Im weiteren Geschäftsverlauf zeigten sich dann neben diversen Vorteilen auch einigen erhebliche Nachteile. Gründer*innen sollten diese unbedingt kennen. Nur so können sie sich für die beste Rechtsform entscheiden.

Die richtige Rechtsform finden

Grundsätzliches zur UG (haftungsbeschränkt) bzw. zur gemeinnützigen UG (haftungsbeschränkt)

Diese Rechtsform attraktiv für Gründer*innen mit wenig Stammkapital, die eine Kapitalgesellschaft gründen und  nicht auf die Haftungsbeschränkung verzichten wollen. Bereits ab einem Euro Stammkapital kann man eine UG gründen.

Wir raten aber grundsätzlich ab, eine UG – ganz gleich, ob gemeinnützig oder nicht – von Anfang an mit zu wenig Kapital auszustatten. Ist das Stammkapital zu niedrig, droht der UG rasch die Insolvenz. In diesem Zusammenhang muss auf die Pflicht hingewiesen werden, rechtzeitig den Insolvenzantrag zu stellen. Geschieht das nicht, droht eine Geldstrafe und im Extremfall sogar Freiheitsstrafe.

Charakteristisch für die Rechtsform gUG oder der gGmbH ist der gemeinnützige Geschäftszweck. Eine „normale“ UG oder GmbH dagegen verfolgt in erster Linie ökonomische Interessen verfolgt. Dennoch sind auch die gemeinnützigen Rechtsformen an dem GmbH-Gesetz unterworfen.

Um als gemeinnützig anerkannt zu werden, muss die Satzung entsprechend gestaltet sein. Das bedeutet, dass der Zweck der Organisation gemeinnützig, mildtätig und/oder kirchlich sein muss. Über die Anerkennung der Gemeinnützigkeit entscheidet das zuständige Finanzamt (für Körperschaften).

Außerdem wichtig zu wissen:

Sacheinlagen sind nicht zulässig. Die sog. Sachgründung, d. h. werthaltige Maschinen und Geräte als Stammkapital einzubringen, ist hier nicht möglich.

In der Satzung muss sogleich festgelegt werden, wer im Fall der Auflösung der gemeinnützigen UG (haftungsbeschränkt) bzw. gGmbH die erwirtschaftete Überschüsse erhält. Dies darf nur eine ebenfalls gemeinnützige Organisation sein. Möglich sind ein gemeinnütziger Vereine, eine Stiftung oder eine andere gUGs / gGmbH. Alternativ kann man auch nur einen gemeinnützigen Zweck zu bestimmen, der dann in Frage kommt.

Eine Gründung mittels Musterprotokoll statt Satzung, was Aufwand und Kosten spart, ist bei der gUG / gGmbH nicht möglich. Denn das  Musterprotokoll kann nicht an die Erfordernisse der Gemeinnützigkeit angepasst werden.

Den gemeinnützigen Zweck in der Satzung richtig zu verankern, ist auch keine leichte Aufgabe. Er muss dem Gemeinnützigkeitsrechts unter Anwendung der §§ 51 ff. AO entsprechen. Lehnt das Finanzamt die Satzung ab, muss diese korrigiert und erneut eingereicht werden. Wir raten daher, sich von kompetenten Beratern oder Anwälten – z. B. aus unserem Netzwerk – helfen zu lassen. Das spart Zeit und Kosten.

Die Vorteile der gUG (haftungsbeschränkt)

Überschaubarer Kapitalaufwand und keine Mitstreiter nötig

Neben dem überschaubaren Kapitalaufwand stellt die Anzahl der Gründungsmitglieder einen entscheidenden Unterschied zum gemeinnützigen e.V. dar. Ein Verein setzt sieben Mindestmitglieder zum Zeitpunkt der Gründung voraus und muss immer mindestens drei Mitglieder haben. Eine UG dagegen kann von einem einzigen Gesellschafter gegründet und geführt werden.

Steuervorteile

Die Rechtsform der gUG (haftungsbeschränkt) oder gGmbH bietet vor allem steuerlichen Vorteile. Gewerbe- und Körperschaftsteuer entfallen. Auch bei der Umsatzsteuer gibt es Vorteile. Für Umsätze aus dem ideellen Bereich fällt keine Umsatzsteuer an. Umsätze im Bereich des wirtschaftsorientierten Zweckbetriebs unterliegen oftmals einem ermäßigten Umsatzsteuersatz von 7 %.

Haftungsbeschränkung

Das GmbH-Gesetz begrenzt die Haftung der Gesellschafter generell auf das Stammkapital. Das gilt auch für die gUG und die gGmbH.

Leichte Gründung – aber teurer als bei einem gemeinnützigen Verein

Die Gründung einer UG ist ähnlich unkompliziert wie die eines Vereins. Der größte Unterschied besteht darin, dass der Gesellschaftsvertrag dem Formerfordernis der notariellen Beurkundung unterliegt. Entsprechende Eintragungen im Handelsregister sind nötig. Erst mit dieser Eintragung entsteht die UG rechtswirksam. Auch alle Änderungen, z. B. Gesellschafterwechsel, müssen entsprechend im Register eingetragen werden. Hier fallen Kosten an. Die Kosten für die Gründung einer gUG betragen nach meinen Informationen rund 1.000 Euro. Demgegenüber entstehen bei der Gründung eines e.V. Kosten von rund 100 Euro.

Finanzierung

Auch eine gUG ist wirtschaftlich ausgerichtet.  Über ihre wirtschaftlichen Tätigkeiten muss sie sich finanzieren. Wenn diese dem Gemeinwohl dienen, umso besser. Eine gemeinnützige UG kann sich aber auch über Spenden (co-)finanzieren. Schließlich kann sie aufgrund der Gemeinnützigkeit Spendenbescheinigungen ausstellen. Allerdings muss man wissen, dass Spender gegenüber dem Konstrukt „gUG (haftungsbeschränkt)“ oft gewisse Vorbehalte haben.

Damit kommen wir allmählich zu den Nachteilen….

Nachteile der gUG (haftungsbeschränkt)

Finanzierung

Anders als beim gemeinnützigen e. V. scheidet eine Finanzierung durch Mitgliedsbeiträge rein faktisch aus.  Die „Mitglieder“ einer gUG (oder gGmbH) sind ihre Gesellschafter. Eine jeweilige Erhöhung der Einlagen oder eine Erweiterung der Gesellschafter um neue, müsste jeweils im Handelsregister eingetragen werden und würde immensen Aufwand und Kosten erfordern.

Auch die Finanzierung durch Darlehen ist schwierig. Fremdkapitalgeber nehmen von dem Konstrukt einer UG (haftungsbeschränkt) rasch Abstand und auch Gesellschafterdarlehen sind schwierig darzustellen, insbesondere im Rahmen der Gemeinnützigkeit.

Erschwerter Zugang zu Fördermitteln

Nicht unerwähnt möchte ich den Umstand, dass gemeinnützige Gesellschaften oder Vereinen viele öffentliche Fördermöglichkeiten nicht zugute kommen. Es gibt zwar immer wieder neue EU-Programme, die von diesen Organisationen genutzt werden können, aber oftmals ist die Beantragung kompliziert und langwierig. Daneben gibt es die Möglichkeit, über Stiftungen an Fördermittel zu kommen – allerdings nur wenn Förderzweck und Stiftungszweck passgenau sind. Dagegen richten sich attraktive staatliche Finanzierungen, wie sie die KfW oder die Investitionsbanken der Länder bieten, üblicher Weise an Unternehmen mit Gewinnerzielungsabsicht. Dasselbe gilt übrigens auch für viele Beratungsförderprogramme.

Keine Gewinnausschüttungen

Die Gemeinnützigkeit verlangt eine Selbstlosigkeit bei der Gewinnverteilung verlangt. Es dürfen darum keine Gewinne an die Gesellschafter  ausgeschüttet werden. Die Gewinne sollen schließlich dem gemeinnützigen Zweck dienen.

Auch Gehälter oder Löhne müssen in Relation zur erbrachten Leistung stehen. Das bedeutet nicht, dass die Gehälter der Angestellten überhaupt nicht erhöht werden dürfen, sondern nur, dass sich diese Erhöhungen in einem branchenüblichen Rahmen bewegen sollten.

Ein sehr hohes Geschäftsführergehalt könnte vom Finanzamt als verdeckte Gewinnausschüttung aufgefasst werden. Das kann das als Steuerhinterziehung gewertet werden.

Grundsatz der Unmittelbarkeit

Unternehmen wird nicht dadurch gemeinnützig, dass es einer als gemeinnützigen Organisaiton zuarbeitet. Wer beispielsweise eine Dienstleitungsgesellschaft gründet, die ausschließlich für gemeinnützige Vereine tätig ist, oder wer Räume nur an gemeinnützige Organisationen vermietet, wird im Regelfalle nicht als gemeinnützig anerkannt. Allerdings gibt es hier gewisse Spielräume, die im Einzelfall von Fachjuristen auszuloten sind.

Rücklagenbildung

Grundsätzlich unterliegen auch Unternehmergesellschaften dem GmbH-Recht. Dieses sieht vor, dass 25 Prozent des Jahresgewinns der gemeinnützigen Gesellschaft zur Erhöhung des Stammkapitals verwendet werden, bis die 25.000 Euro erreicht sind. Erst dann kann die gUG in eine gGmbH umgewandelt werden. Das widerspricht – allerdings nur scheinbar – dem o. g. Gemeinnützigkeitsprinzip. Im Falle einer Auflösung wird nämlich nur das ursprünglich eingezahlte Stammkapital an die Gesellschafter ausgezahlt.  Die Rücklagenbildung muss dem nach Grundsatz der unmittelbaren Mittelverwendung erfolgen.  Allerdings fehlen die 25 Prozent, die zur Rücklagenbildung gebraucht werden, den unmittelbaren sozialen Projekten.

Drohender Verlust der Gemeinnützigkeit

In den letzten Jahren erleben wir zunehmen Gründung im Grenzbereich zwischen wirtschaftlichem und idealistisch-gemeinnützigem Zweck. Man spricht von „Social Entrepreneurs“ oder „Social Entrepreneurship“. Ziel ist es, Gutes zu tun, und zugleich für die Mitwirkenden ein Auskommen zu erzielen. Die Ideen sind dabei oft sehr innovativ.

Bei innovativen sozialen Unternehmungen besteht leichter als bei klassischen gemeinnützigen Vereinen, wie Sportvereinen, Tier- oder Naturschutz-Organisationen oder wie bei typischen sozialen Einrichtungen (Jugendhilfeträgern, Kitas, Pflegeeinrichtungen etc.) die Gefahr der Aberkennung der Gemeinnützigkeit.

Das passiert vor allem, wenn das Gründungskonzept nicht klar strukturiert ist. Denn sollte man dem gemeinnützigen Zweck nicht ausreichend nachkommen, dann kann das Finanzamt den Status der Gemeinnützigkeit wieder entziehen. Dann müssen auch Steuern entsprechend nachgezahlt werden. Letzteres kann u. U. existenzbedrohend werden.

Dennoch gibt es gerade im Bereich des Social Entrepreneurships auch viele erfolgreiche Gründungen. So ist die Organisation gut.org, der die Plattform betterplace.org gehört, inzwischen zur gemeinnützigen Aktiengesellschaft aufgestiegen. Auch das ist möglich…

Vor der Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Rechtsform, sollte immer ein ausführliches Beratungsgespräch stehen.

Terminbuchung bei Orthwein Unternehmensberatung

Wild + Lecker – Kombucha und mehr

Rita Bühler bereitet die Gründung einer Kombucha-Manufaktur vor

Rita Bühler ist studierte Stadt- und Regionalplanerin. Lange Zeit arbeitete die 57-Jährige erfolgreich in diesem Beruf, ehe sie sich vor zwei Jahren entschloss, Deutschland den Rücken zu kehren. In der Karibik wollte sie einen beruflichen und persönlichen Neustart wagen….
Doch dann passierte das Schreckliche. Die Hurrikans von 2017 – wir erinnern uns an die Bilder, die um die Welt gingen- zerstörten ihr neues Zuhause und ihre Pläne.
Rita Bühler ist allerdings keine Frau, die schnell aufgibt. Wieder zurück in Berlin, startete sie den Aufbau einer neuen Existenz. Ganz strategisch Schritt für Schritt geht sie ihr unternehmerisches Projekt an.
Nach einem Existienzgründerinnen-Kurs bei Ecomista e.V. kam sie ins Programm von Gutplus und so schließlich zu mir ins Gründercoaching.

Rita Bühler (lks.) präsentiert erste Produktproben auf der Gutplus-Projektmesse am 9.11.2018

Rita Bühler (lks.) präsentiert Kostproben ihrer Produkte auf der Gutplus-Projektmesse am 9.11.2018

Geplant ist eine Manufaktur für Kombucha, gesundes Naschwerk und andere hochwertige Lebensmittel unter dem Namen „Wild + Lecker“.  Denn genau das sind Ritas Produkte: sehr erfrischend und mit einem exotisch-wilden Touch.  Die Motivation der Gründerin ihre Freude an leckerem und gesundem Essen und Trinken. Sie möchte dazu beitragen, dass sich das Bewusstsein für hochwertige Lebensmittel noch mehr verbreitet. Und sie liebt es, immer neue Rezepturen zu kreieren.

Gerne will sie in Zukunft auch für die Menschen in ihrer ehemaligen Wahlheimat in der Karibik etwas tun. Mit Startersets und Rezepturen möchte sie Menschen dort zum Aufbau von kleinen Kombucha-Manufakturen verhelfen – finanziert über Crowddonating – ist eines der Herzensanliegen von Rita Bühler.


Was ist Kombucha?

Kombucha ist ein prickelndes fermentiertes Getränk, das ursprünglich aus Ostasien stammt. Rita Bühler hat die traditionelle Rezeptur überarbeitet und bietet viele schmackhafte Sorten dieses äußerst gesunden Getränkes an. Das Besondere am „Wild + Lecker“ – Kombucha: Er ist nicht pasteurisiert. Damit unterscheidet er sich von der Mehrzahl der im Handel erhältlichen Kombucha-Angebote. Unpasteurisierter Kombucha ist nicht nur besonders wohlschmeckend, er hat auch noch alle wertvollen Inhaltsstoffe. Allerdings muss er aber kühl gelagert werden und ist nur begrenzt haltbar. Durch die Abfüllung in kleineren Größeren und den guten Geschmack des „Wild + Lecker“ – Kombucha-Sorten dürfte das aber kein Problem sein.


Was hat das Gründercoaching gebracht?

Rita Bühler: Ilona Orthwein hat mich mit ihrem umfangreichen Wissen über die unterschiedlichsten Bereiche vom Crowdfunding über Marketing bis zur Finanzplanung oder dem Aufbau einer eigenen Website enorm weitergebracht. Sie ist voller Elan und ich kann sie nur weiter empfehlen.

Die Meinung der Beraterin

Ilona Orthwein: Rita Bühler kommt beruflich zwar aus einem ganz anderen Bereich und vieles ist Neuland für sie, aber sie ist immer offen und bereit Neues zu lernen. Das schätze ich sehr an ihr. Denn einen solchen Produktionsbetrieb neu aufzubauen und zu etablieren ist kein leichtes Unterfangen. Es genügt nicht, gute Ideen bzw. in diesem Fall Rezepturen für gute Produkte zu haben. Schon um eine Marke wie „Wild + Lecker“ bekannt zu machen, braucht es einen erheblichen Aufwand. Außerdem ist im Bereich der Produktion von Lebensmitteln viel zu beachten. Wer es selbst machen will, braucht dazu passende vom Gesundheitsamt abgenommene Räumlichkeiten. Externe Lohnabfüller oder -produzenten sind zwar eine Alternative, aber sie sind nur ökonomisch sinnvoll, wenn die Produktions- bzw. Absatzmengen hoch genug sind. Zudem muss eine Vertriebsstruktur aufgebaut werden, und passende Logistiker müssen entsprechend  gefunden werden.

Da „Wild+Lecker“ keine Massenwaren herstellen und vertreiben will, sondern sorgfältig entwickelte hochwertige Produkte, war / ist mein Vorschlag, einen kleinen Laden mit Möglichkeiten zur Produktion, wie z. B. einen ehemaligen gastronomischen Betrieb mit Küche und Kühlraum, zu finden. Grundsätzlich bin ich vorsichtig, wenn es um die Eröffnung von Ladengeschäften geht, da die Fixkosten die Gewinne schrumpfen lassen. In Kombination mit einer Manufaktur, die neben Laufkundschaft externe Abnehmer wie Cafés, andere Läden oder Marktstände beliefert, rate ich Rita in dieser Richtung weiter zu gehen.


Trend „Senior Entrepreneurship“ – Gründung in der 2. Lebenshälfte

RKW-Studien der letzten Jahre zeigen einen Trend auf: Die Gründungen der Altersgruppe 45plus nehmen deutlich zu. Laut KfW-Gründungsmonitor waren im Jahr 2015 bereits mehr als 25 Prozent aller Gründer*innen zwischen 45 und 54 Jahre alt, mehr als 9 Prozent sogar zwischen 55 und 65 Jahren. Und bei diesen Gründungen handelt es sich mehrheitlich um Vollerwerbsgründungen. Das bedeutet, diese Gründer*innen meinen es ernst mit der Selbstständigkeit in der Mitte des Lebens!

Für diesen Trend gibt es vielfältige Ursachen. Zum einen wirken die Menschen zwischen 45 und 65 heute nicht nur wesentlich jünger als frühere Generationen, sie sind auch vielfach gesünder und leistungsfähiger. Zum anderen ist das Bestreben nach Selbstverwirklichung sehr groß. Und in der Mitte des Lebens möchten viele von uns noch einmal etwas Neues wagen.

Dass sich dieser Trend noch verstärken wird, ist zu erwarten. Bald erreichen die „Babyboomer“ das Renteneintrittsalter. Nicht selten mit ganz anderen Erwerbsbiografien als Vorgängergenerationen. Mehr und längere Ausbildungs- und Studienzeiten, Familienpausen, Phasen von Erwerbslosigkeit oder Teilzeit mit geringem Verdienst schlagen zu Buche. Gleichzeitig greifen die Rentenreformen der Vergangenheit. Das bedeutet, viele künftige Rentner werden auf einen Zuverdienst angewiesen sein. Warum diesen nicht in einer selbstständigen Erwerbstätigkeit suchen, die Freude macht und zur Selbstverwirklichung beiträgt?

Dieses sog. Seniorpreneurship stellt allerdings besondere Anforderungen an Gründer*innen, wie an Berater*innen. Im Prinzip muss am Tag der Gründung auch schon ein Nachfolgekonzept stehen. Denn nur so lässt sich Nachhaltigkeit erzielen. Für die Finanzierung  ist das ebenfalls wichtig. Wer als Senior-Gründer*in alles, was er oder sie während des ganzen Lebens redlich erworben hat, wie z. B. das eigene Haus, auf’s Spiel setzen will, braucht ein gutes Konzept und gute Beratung!

Für ein besseres Gesprächsklima in Kliniken

Beate Kampel ist Trainerin für medizinisch interpersonelle Kommunikation

Krankheit ist persönlich. Die Kommunikation zwischen medizinischem Personal und Patienten*innen mit ihren Angehörigen ist von großer Bedeutung.

Kommunikationstrainerin Beate Kampel unterstützt Mediziner*innen und Pflegepersonal in ihrem Beruf durch eine Simulation von schwierigen Gesprächssituationen. Sie nimmt dabei den Platz der Patienten*innen oder Angehörigen ein und gibt nach der Übung eine Rückmeldung zum Gespräch aus der Patientenperspektive. Persönliche Kommunikationsstile werden sichtbar. Im Anschluss werden generelle Gesprächstechniken besprochen, um die kommunikativen Kompetenzen der Teilnehmenden weiter zu stärken.

 

Beate Kampel

Beate Kampel

Beate Kampel ist Ethnologin, Schauspielerin und Regisseurin. Das befähigt sie, unterschiedliche Patienten- und Angehörigenfiguren für Gesprächssimulationen realitätsnah umzusetzen. Seit mehr als 15 Jahren schlüpft sie schon als Simulationspatientin in schwierige Rollen und wertet gemeinsam mit den Gesprächspartnern die Situationen aus. Dabei kommt sie dem Klinikalltag sehr nahe.

Im Simulationsprogramm der Charité – Universitätsmedizin Berlin hat sie ihr Wissen über die Lehrmethode der Gesprächssimulation als langjährige Mitarbeiterin erlernt und stetig erweitert.

Aus diesen Erfahrungen in der medizinischen Gesprächsführung entwickelt und vermarktet Frau Kampel seit Anfang 2018 ihre eigenen Trainingsangebote. Sie paart theoretisches Wissen über verschiedene Gesprächstechniken mit praktischen Interaktionsübungen. Auch bereitet sie Menschen, die in Gesundheitsberufen arbeiten, auf schwierige Gespräche vor und bietet E-Learning-Tools für Kliniken an.

Ihr Angebot erfreut sich einer wachsenden Nachfrage, denn Verbesserung in der medizinischen Kommunikation wird immer stärker gefordert und erhält in der medizinischen Aus- und Weiterbildung einen immer größeren Zuspruch.

Was hat das Gründercoaching gebracht?

Beate Kampel: Die konkrete und umfassende Expertise und das Wissen von Ilona Orthwein hat mir sehr geholfen, mein Geschäftskonzept zu entwickeln. Ihre symathische freundliche Art hat mir gut gefallen. Vieles, was ich im Gründercoaching und beim Erstellen meines Businessplans gelernt habe, war für mich Neuland. Denn ich komme beruflich aus einem ganz anderen Bereich. Sehr gefreut habe ich mich auch, dass ich mit Hilfe von Frau Orthwein eine finanzielle Förderung meiner Gründung erhalten konnte.

Die Meinung der Beraterin

Ilona Orthwein: Für Kommunikationstrainer ist es oft nicht leicht, am Markt Fuß zu fassen. Es gibt sehr viele Angebote und folglich einen harten Wettbewerb. Frau Kampel trifft mit ihrem Angebot auf einen hohen Bedarf. Sie hat eine Zielgruppe, die sich bewusst ist, dass sie solche Unterstützung braucht und auch in der Lage ist, für solche Trainings zu bezahlen. Zudem ist ihr Angebot ausbaufähig. Sie kann aufgrund ihrer persönlichen Kompetenzen z. B. Schulungsvideos oder E-Trainings anbieten.


Warum spezielle Kommunikationstrainings für den medizinischen Bereich?

Das Selbstverständnis von Patient*innen und ihren Angehörigen gegenüber Ärzt*innen und Therapeut*innen hat sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. Die Mehrheit will heutzutage als gleichberechtigter Partner behandelt und ernst genommen werden. Das hat eine Studie der Techniker Krankenkasse bereits im Jahr 2010 ergeben.

Leider ist der Kommunikationsstil vieler Mediziner noch immer oft sehr vertikal, das heißt „von oben herab“. Patient*innen und ihre Angehörigen fühlen sich mit ihren Anliegen oft zu wenig wahrgenommen. Das führt im schlimmsten Fall dazu, dass ärztliche Anweisungen nicht beherzigt oder Therapien eigenmächtig abgebrochen werden, und die Patient*innen sich selbst schaden.

Viele Mediziner werden zudem auf schwierige Gesprächssituationen in ihrer Ausbildung nicht angemessen vorbereitet. Einem Menschen mitzuteilen, dass er stirbt, bedeutet eine immense Herausforderung, die nie leicht fallen wird. Hier Unterstützung zu erhalten, ist eine Hilfe für alle Beteiligten.

Anne Westwards – Eine Frau macht sich auf den Weg

Mit dem Fahrrad die Welt erkunden und darüber berichten

Das ist der Ansatz von Anne Westwards. In ihrer ersten großen Expedition vor einigen Jahren hat die erfolgreiche Bloggerin Asien und den Nahen Osten mit Rad und Zelt bereist. Anderthalb Jahre lang radelte sie, ganz alleine auf sich gestellt, entlang der alten Seidenstraßen.

Für ihre neue Selbstständigkeit hat Anne hat eine vielversprechende Karriere in der IT-Branche aufgegeben. Ein Sprung ins Ungewisse. Aber das ist alles nichts gegen das, was sie auf ihren abenteuerlichen Reisen erlebt hat. An ihren Abenteuern lässt sie uns teilhaben. Anne sie bloggt, macht großartige Fotos, schreibt Bücher und hält mitreißende Multimedia-Vorträge. Darin wird nichts beschönigt. Offen und ehrlich berichtet sie auch über Schwierigkeiten und persönliche Ängste – und darüber, wie sie diese überwunden hat.  Für ihre Vorträge ist Anne Westward inzwischen sehr gefragt – auch in ihrer früheren Branche.

Unterwegs auf zwei Rädern: Anne Westward bei ihrer Tour entlang der alten Seidenstraßen

Unterwegs auf zwei Rädern: Anne Westward bei ihrer Tour entlang der alten Seidenstraßen

Anne Westward kam zu mir, um eine Crowdfunding-Kampagne zu entwickeln. Der primäre Zweck: Die erste Ausgabe eines Buches über ihre Reise durch den Iran zu finanzieren.

Und dann kam der Hass aus dem Netz…

Kaum hatten wir im Februar mit der Beratung begonnen, erschütterte uns ein unerwartetes Ereignis. Denn Anne Westward wurde Opfer einer üblen Haß- und Verleumdungskampagne im Netz.  Mehr dazu…
Was mich wunderte war, dass sich die Kampagne auf mehrere Jahre zurückliegende Ereignisse und Blogposts stützte. Warum eine derart verspätete Reaktion? Und warum gerade jetzt? Pünktlich zum internationalen Frauentag am 8. März. Der ist in den ehemals sozialistischen Ländern noch immer von großer Bedeutung. Ich vermute zudem, dass statt empörter Individuen in dem Fall sog. „Internet-Trolle“ am Werk waren. Warum? Darüber können wir nur spekulieren. Vermutlich passte es irgendwem nicht, dass eine Frau so unerschrocken ihren Weg weg geht. Anne könnte sowohl mit ihrem Mut als auch mit ihrer sanften Art des Reisens, ein (unerwünschtes) Vorbild sein.


Was hat das Gründercoaching gebracht?

Anne Westwards: Ilona Orthwein hat mich als Coach unermüdlich unterstützt, vor allem bei der Planung des Crowdfundings für mein Buch – immer mit klugem Blick auf das große Ganze und die richtigen Prioritäten.

Die Meinung der Beraterin

Ilona Orthwein: Anne hat mich durch ihre Aktivitäten und ihren Mut wirklich sehr beeindruckt. Für mich hat sie das Potenzial zu einem weiblichen Reinhold Messner. Ihre ungewöhnliche Geschäftsidee, ihre Radreisen quer durch die Welt in Büchern, Fotos und Vorträgen zu verarbeiten, hat Potenzial. Das man mit so etwas auch gutes Geld verdienen kann, haben einige männliche Kollegen schon bewiesen.


So ein ungewöhnliches Geschäftsmodell…

…funktioniert selbstredend nur, wenn begleitende Strukturen aufgebaut werden. Alleine um die Welt radeln oder segeln genügt nicht. Man braucht die Öffentlichkeit. Und die gilt es, rechtzeitig ins Vorhaben einzubinden.

Anne Westward ist gut vernetzt. Sie hat nationale und internationale Kontakte, die ihr weiterhelfen. Besonders wichtig sind die Kontakte zu Unternehmen, zu Medien und zu Event-Organisatoren.

„Fekra“ bedeutet „Idee“

Sprachschul-Gründer Yousef El-Dada und Asmaa Aldaher zeigen, was möglich ist

Das arabische Wort „Fekra“ bedeutet „Idee“. Eine gute Idee war es zweifellos, die der Architekt Yousef El-Dada und seine Partnerin, die angehenden Zahnärztin Asmaa Aldaher, hatten. Muttersprachlicher Arabisch-Unterricht, der ganz weltlich ist und sich von den Erkenntnissen moderner Pädagogik leiten lässt.

Yousef El-Dada und Asmaa Aldaher in der Sprachschule

Yousef El-Dada und Asmaa Aldaher in der Sprachschule

Seit Anfang 2018 können Kinder ab Grundschulalter bei „Fekra“ in der Kleiststraße, nahe Wittenbergplatz Arabisch lernen. Die Räume der Schule sind groß, hell und freundlich, die Gruppen sind klein und die Lehrer sehr erfahren und das Lernen erfolgt spielerisch.

Das Credo der Gründer lautet: „Wir möchten die arabische Hochsprache in korrekter Form und losgelöst von religiösen und politischen Überzeugungen unterrichten, und zwar so, dass die Kinder viel Freude am Lernen haben.“

Das Konzept kommt bei Kindern und Eltern sehr gut an. Inzwischen arbeiten bei „Fekra“ fünf ausgesucht qualifizierte Lehrkräfte und mehr als 50 Kinder kommen regelmäßig zum Unterricht. Die Nachfrage ist außerdem so groß, dass man zum kommenden Jahr über einen weiteren Ausbau des Angebots nachdenkt. Im Gespräch sind Angebote für Kita-Kinder und für ältere Schulkinder, u. a. zum Umgang mit digitalen Medien bis hin zu Programmierkursen für Mädchen und Jungen.

arabisch lernen

Stolz präsentieren Kinder ihre selbstgebastelten arabischen Grüße zum Muttertag, Bildquelle ©Fekra

Was hat das Gründercoaching gebracht?

Yousef El-Dada: Ilona Orthwein arbeitet sehr lösungsorientiert, ist bei allen auftretenden Fragen immer für uns da. Sie hat viel Geduld und gibt sich wirklich sehr viel Mühe, auch schwierige Probleme zu lösen. Das ist keineswegs selbstverständlich. Sie hat uns außerdem in vielen praktischen Dingen Tipps gegeben, z. B.  bei behördlichen Anmeldungen, bei der Ausgestaltung von Verträgen und im Bereich PR und Marketing. So konnten wir dank des Coachings rasch wachsen. Ökonomisch ist die Leitung der Sprachschule inzwischen ein wichtiges zweites Standbein für mich geworden.

Asmaa Aldaher: Ich kann das, was Yousef über Ilona Orthwein sagt, nur bestätigen. Außerdem möchte ich betonen, dass ich mich bei Ilona Orthwein immer als Klientin auf Augenhöhe empfand. Das ist leider nicht der Normalfall. Ich lebe seit langem in Deutschland, habe hier eine Berufsausbildung gemacht, gearbeitet und studiere inzwischen. Man kann sagen, ich bin gut integriert. Trotzdem werde ich als muslimische Frau und Migrantin von häufig schief angesehen und oben herab behandelt. Bei Ilona Orthwein dagegen ist das ganz anders. Hier fühlte ich mich von Anfang an ernst- und angenommen.

Die Meinung der Beraterin

Ilona Orthwein: Mich freut es sehr, welch großen Zuspruch das Angebot von „Fekra“ erhält. Jedes Mal, wenn ich zur Beratung in die Schule komme, treffe ich auf ausgesprochen fröhliche Kinder und zufriedene Eltern. Aber auch betriebswirtschaftlich geht das Konzept auf. Dabei wurde das Gründerpaar sogar für seine Idee anfänglich verlacht.

Solche Ablehnung hat mit Denkblockaden und unserem Denken in defizitären Kategorien zu tun. Wir haben es uns angewöhnt, unser Augenmerk auf das zu richten, was fehlt und übersehen dabei das, was da ist. Statt zu überlegen, wo Potenziale und Chancen sind, sehen wir vor allem die Mängel, die es zu beseitigen gilt. Gerade migrantische Gründer*innen leiden unter solch einem Ansatz.

Im Falle von „Fekra“ war das Potenzial eigentlich mit Händen zugreifen. Berlin hat eine riesige arabisch-deutsche Community. Weltlichen muttersprachlichen Arabisch-Unterricht gibt es dennoch kaum.


Warum muttersprachlicher Arabisch-Unterricht?

In Berlin leben über 130.000 Menschen mit arabischen Wurzeln. In ihren Familien wird, wenn überhaupt, Arabisch als die in der jeweiligen Heimatregion übliche Umgangssprache gesprochen. Diese regionalen Dialekte unterscheiden sich zum Teil erheblich voneinander. Noch mehr unterscheiden sie sich von der allgemeinen arabischen Hoch- bzw. Schriftsprache. Nur, wer die Hochsprache beherrscht, ist in der Lage, schriftlich zu kommunizieren, Zeitungen und Bücher zu lesen, Nachrichtensendungen zu verstehen etc. Fehlt diese sprachliche Bildung ist eine kulturelle Entfremdung die unweigerlich. Und eine Rückkehr und Re-Integration in die Herkunftsländer wird damit, insbesondere für die Kinder von Geflüchteten, erschwert.

An allgemeinbildenden Schulen wird mutterspachlicher Arabischunterricht dennoch bislang kaum angeboten. Moscheen, Moscheevereine oder religiöse islamische Zentren sind in diese Lücke gestoßen. Hier wird der Sprachunterricht an die Unterweisung in der islamischen Religion gekoppelt. Pädagogische Standards sind zudem oft fragwürdig. Auch ist die Lernatmossphäre in vielen dieser Einrichtungen alles andere als optimal. Überdies sind längst nicht alle Menschen mit arabischer Muttersprache Muslime. Gerade unter den arabischen Flüchtlingen, die um das Jahr 2015 zu uns gekommen sind, gibt es viele Christen, Yesiden und andere religiöse Minderheiten, sowie Religionslose. Auch gibt es viele arabisch-stämmige Menschen, die seit Jahrzehnten in Deutschland leben. Teilweise in Mischehen. Sie sind gut integriert und möchten gerne ihren Kindern den Weg zur arabischen Kultur offen halten. Das geht vor allem über die Sprache und die vielfältige arabische Literatur. Diese hatte ihre ersten Blüten übrigens schon lange vor dem Islam in der alt-arabischen Poesie.

 

 

 

Oh wie schön ist Panama! – Erlebnisreisen nach Lateinamerika

Gründerin Anna Sterzer lässt Reiseträume wahr werden

Eigentlich ist Anna Sterzer Online-Marketing-Spezialistin. Um ihre berufliche Zukunft bräuchte sie sich also keine Sorgen machen. Fachleute wie sie sind sehr gefragt. Ihr Herz schlägt jedoch für Reisen nach Mittel- und Südamerika. Die guten Erfahrungen, die sie dort gesammelt hat, will sie an andere weitergeben. Aus diesem Grund hat sie angefangen, Privat- und Kleingruppenreisen zu organisieren – individuell maßgeschneidert nach den Wünschen ihrer Kund*innen. Ganz besondere Erlebnisreise-Angebote hat die im Netzwerk von MomPreneurs engagierte junge Frau für Familien mit Kindern im Angebot. Eines der familientauglichen Reiseziele ist Panama.

Anna von gonjoy Erlebnisreisen

Anna ist Expertin für Lateinamerika-Reisen

Beim Start in die Selbstständigkeit als Reiseunternehmerin hat Anna die Partnerschaft mit Reiseveranstalterin Jenny Strumpf entscheidend geholfen. Go’n joy Erlebnisreisen hat sich wie Go’n joy Africa auf Privat- und Kleingruppenreisen spezialisiert. Beide Reiseunternehmen stehen für nachhaltigen Tourismus. Alle ausgewählten Reiseziele sind persönlich geprüft. Es besteht enger Kontakt mit Partnern vor Ort. Nachhaltiger Tourismus steht dabei im Fokus. Selbstverständlich werden dabei Tier- und Naturschutz werden groß geschrieben. Zudem sind viele der ausgewählten Ziele äußerst familientauglich.

Was hat das Gründercoaching gebracht?

Anna Sterzer: Ilona Orthwein hat mir mit ihrem wertvollen Knowhow die entscheidenden Impulse für die Zukunft und den Erfolg meines Vorhabens gegeben. Von der Wahl einer Unternehmensform, über die Finanzplanung, Zeit- und Personalmanagement bis hin zu kreativen Marketing-Ideen hat Ilona Orthwein mir mit ihrem umfangreichen Erfahrungsschatz weitergeholfen. Die Beraterin hat mir genau die richtigen Tipps gegeben. So hat mich das Gründeroaching so richtig zum Durchstarten motiviert. Ich kann jedem Gründer eine solche Begleitung nur empfehlen.

Die Meinung der Beraterin

Ilona Orthwein: „Das eigene Hobby oder die persönliche Leidenschaft zum Beruf zu machen, davon träumen viele Menschen. Funktionieren kann so etwas aber nur, wenn die Voraussetzungen stimmen. Vor allem muss das Konzept wirtschaftlich tragfähig sein. Denn nur wenn mit der selbstständigen Tätigkeit auch der Lebensunterhalt bestritten werden kann, ist diese langfristig erfüllend. Fälle, in denen das nicht funktioniert, habe ich leider auch in meiner Beratungspraxis erlebt. Die Folgen sind langfristige Frustration bis hin zum Burnout. Wir Unternehmensberater und Gründercoaches können prüfen, ob eine Gründungidee funktionieren kann. Wir helfen passende Konzepte zu erarbeiten. Dabei werden Schwachstellen aufgedeckt. Gemeinsam mit den Gründer*innen werden schließlich Lösungen gefunden. Auf diese Weise kann ein guter und nachhaltiger Geschäftsaufbau gelingen.


Erfolgsmotor Kooperation

Anna Sterzer und Jenny Strumpf packen Dinge gemeinsam an. Sie tauschen Erfahrungen aus, ermutigen einander. Auch unterstützen sie sich in der praktischen Arbeit. Gemeinsam werden größere Marketing-Aktionen wie Messeauftritte angegangen. Solche Vorhaben sind für den Markterfolg wichtig. Aber für  Solo-Gründer*innern sind sie sowohl energetisch als auch finanziell wesentlich schwerer zu bewerkstelligen als für ein Team. Darum der Rat an alle Gründer*innen: Vernetzt Euch und geht gemeinsam auf großen Fischzug!

Messeauftritt, Jenny Strump, Anna Sterzer

Anna Sterzer und Jenny Strumpf beim gemeinsamen Messeauftritt am 10. /11.11.2018 in Berlin

Neuanfang in Berlin: Geflüchtete gründen Unternehmen

Abdulkader Shook – Parfumeur aus Aleppo / Syrien

In Aleppo hatte Abdulkader Shook ein gut gehendes Geschäft. Er stellte traditionelle Parfum aus erlesenen Duftessenzen her. Nicht nur Einheimische kauften bei ihm. Die Lage des Ladens nahe der berühmten Zitadelle zog auch viele Touristen an. Doch dann kam der Krieg und die Bomben zerstörten sein Haus, sein Geschäft und damit seine ganze Lebensgrundlage. Mit seiner Frau und den drei Kindern flüchtete Abdulkader Shook vor dem Krieg aus Syrien und gelangte schließlich nach Berlin.

Abdulkader Shook

Parfumeur Abdulkader Shook (46)

Hier versucht er beruflich nun neu Fuß zu fassen und ein Gewerbe aufzubauen. Hilfreich sind dabei seine alten Kundenkontakte. Viele seiner einstigen Lieferanten und Geschäftskunden aus Syrien sind inzwischen ebenfalls ins Ausland emigriert, oftmals in Länder der EU.

Abdulkader Shooks Geschäft in einer La

2010: Abdulkader Shooks Geschäft in einer Ladenzeile nahe der Zitadelle von Aleppo (Der weiße Lieferwagen steht davor.)

Im Krieg zerstörtes Geschäft

2014: Im Kampf zwischen Regierungtruppen und Freischärlern wurde die gesamte Ladenzeile zerbombt. (Der weiße Lieferwagen ist noch immer da, aber ebenfalls zerstört.)

Abdulkader Shook kam über das Projekt LOK.STARTupCAMP international zu im November 2017 erstmals zu mir in die Beratung. Nach einer Unterbrechung von mehreren Monaten, in denen der Gründer einen Fachsprachkurs „Deutsch für Dienstleister“ besuchte und ein dreimonatiges Praktikum in einer großen Berliner Parfümerie  machte, wurde das Gründercoaching im April 2018 wieder aufgenommen.

Am 1.6.2018 hat Abdulkader Shook sein Gewerbe angemeldet. Anders als ursprünglich geplant, hat er kein aber Einzelhandelgeschäft eröffnet. Stattdessen nutzt sein Netzwerk aus Lieferanten und Großkunden im In- und Ausland. Er beliefert Geschäfte direkt mit traditionellen orientalischen Parfums, Parfumessenzen und traditionell hergestellten Seifen.  Ganz praktische Unterstützung bietet ihm dabei eine alteingesessene inhabergeführten Parfümerie in Berlin.

Innerhalb von nur sechs Monaten konnte sich Herr Shook einen Pool aus 15 gewerblichen Abnehmern im In- und Ausland aufbauen und sein kleines Handelsgewerbe schrieb rasch „schwarze Zahlen“.

Was hat das Gründercoaching gebracht?

Abdulkader Shook: Zunächst einmal danke ich der IHK Berlin und der LOK.a.MOTION GmbH. Hier wurden mir wichtige Basiskenntnisse zur Selbstständigkeit in Deutschland vermittelt. Mit Frau Orthwein habe ich dann gemeinsam meinen Businessplan entwickelt und meine Selbstständigkeit gestartet. Ihre Fachexpertise hat mir dabei sehr geholfen. Gut fand ich auch die genaue Planung der Coachingtermine. So kam ich langsam, aber sicher, Schritt für Schritt voran. Die Idee mit dem eigenen Laden musste ich leider erst einmal aufgeben. Aber vielleicht ergibt sich in Zukunft etwas, wenn mein Geschäft noch besser gewachsen ist. Aktuell arbeite ich an meinem Internetauftritt. So kann ich bekannter werden und immer neue Kunden finden.

Die Meinung der Beraterin

Ilona Orthwein: Viele Geflüchtete haben sowohl das Potenzial als auch den starken Wunsch in der neuen Heimat ein Unternehmen zu gründen. In ihrem Herkunftsländern ist berufliche Selbstständigkeit etwas viel Normaleres als bei uns. Frauen und Männer, die Angebote wahrnehmen, wie sie vom  LOK.STARTupCAMP international oder dem Projekt Start-up Your Future der DHIK angeboten werden, haben meistens schon Erfahrungen als Unternehmer*innen. Manche waren jahrzehntelang selbstständig und können sich gar nicht vorstellen, irgendwo als Angestellte zu arbeiten.  Leider stoßen die Geflüchteten auf dem Weg in die Selbstständigkeit immer wieder auf Hürden. Da ihre Aufenthaltstitel nur im 1-3 Jahresrhythmus verlängert werden, ist der z. B. Abschluss von Verträgen mit längerer Laufzeit ein großes Problem. Das begegnet uns bei Gewerbemietverträgen oder Darlehensverträgen.

Zudem muss man sehen, dass die Geflüchteten überwiegend aus Ländern mit sozio-ökonomischen Gegebenheiten kommen, welche sich von den hiesigen fundamental unterscheiden. Das müssen die Neubürger erst einmal begreifen. In Syrien z. B. gibt bzw. gab es viele kleine Einzelhandelsgeschäfte. Viele handwerkliche Familienbetriebe und kleine Dienstleister fanden dort vor dem Krieg ein gutes Auskommen. Das ist vergleichbar mit Deutschland in den 1950er bis 1970er Jahren. Hier treffen diese Gründer nun auf gesättigte Konsumentenmärkte, zahlreiche Konkurrenten und viel Bürokratie. Unsere Aufgabe als Berater*innen ist es, sie mit den veränderten Marktgegebenheit vertraut zu machen und Lösungen zu finden.


Wenn berufliche Integration von Geflüchteten gelingen soll…

… gilt es, neue Chancen auszuloten und alte Denkmuster aufzubrechen. Die Gründer*innen mit Fluchthintergrund bringen oft große Potenziale für eine erfolgreiche Selbstständigkeit mit, die man im Coaching allerdings erst einmal freilegen muss. Bei Abdulkader Shook waren es zum Beispiel seine unternehmerische Erfahrung, sein weit über die Grenzen der Heimat hinaus bekannter guter Ruf als Parfumeur und ein großes geschäftliches Kontaktnetzwerk, auf dem er aufbauen konnte.

Reiseunternehmen „Go’n joy Africa“

Diesseits von Afrika – Reiseveranstalterin Jenny Strumpf

Jenny Strumpf ist Reiseveranstalterin. Als Gründerin und Inhaberin von Go’n joy Africa hat sie sich auf Reisen nach Afrika spezialisiert. Das Besondere an ihrem Angebot: Man reist rund um sorglos und zugleich privat oder in Kleingruppen. Reiseziele sind im südlichen und östliche Afrika sowie in Marokko. Ein gutes Kennenlernen von Land und Leuten ist dabei garantiert. Darüber hinaus plant und organisiert Jenny Strumpf inzwischen auch zusammen mit einer Kollegin Erlebnisreisen für  die wachsende Gruppe der Vegetarier /Veganer. Das entsprechende  Angebot findet sich auf der Website: www.vegane-reisen.com.

 

Reiseveranstalterin Jenny Strumpf, Go'n joy africa, Jungunternehmerin

Jenny Strumpf – erfolgreiche Jungunternehmerin in Sachen Afrika-Reisen

Seit 2015 organisiert sie bereits erfolgreiche Reisen nach Afrika. Ihre Erfolge und die positive Resonanz ihrer Reiseteilnehmer ermutigten sie den Schritt in die Vollselbstständigkeit zu gehen. Im Jahr 2018 konnte sie Ilona Orthwein  im Rahmen unser Beratung für Gründer*innen erfolgreich dabei begleiten.

Was hat das Gründercoaching gebracht?

Jenny Strumpf: Ilona Orthwein hat mich ermutigt, den Schritt in die Vollselbständigkeit nach fast 3-jähriger Überlegungszeit endlich zu wagen und meinen Traum eines eigenen Reiseveranstalters für Afrika-Reisen zu verwirklichen. Sie gibt mir als Coach neue Impulse für Marketingaktivitäten und motiviert mich, mit neuen Ideen positiv in die Zukunft zu blicken.

Die Meinung der Beraterin

Ilona Orthwein: Jennys Unternehmen ist eine von vielen Gründungen, die zunächst im Nebenerwerb starten. Das ist gut, wenn man erst einmal den Markt genauer erkunden, Erfahrungen sammeln und Risiken minimieren will. Mittel -bis langfristig führt eine Nebenerwerbsselbstständigkeit jedoch schnell zu Überforderung. Der Aufbau eines wirtschaftlich tragfähigen Unternehmens braucht erhebliche zeitliche und energetische Ressourcen. Nebenerbsgründer*innen geraten so schnell an ihre Grenzen. Das Ergebnis ist dann leider, dass an sich gute Geschäftsideen nicht um Durchbruch kommen.

 


Was passiert beim Gründercoaching?

Ausgangspunkt bzw. Grundlage jedes Gründercoachings ist der Businessplan oder Canvas. Existiert ein solches Unternehmenskonzept noch nicht oder nur in Ansätzen, wird es im Coachingprozess gemeinsam mit den Gründer*innen erarbeitet. Ist es schon ausgearbeitet vorhanden, geht man es Schritt für Schritt durch und überarbeitet es gegebenfalls. Auf jeden Fall erörtert man die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Geschäftsidee, plant Marketing  und Finanzen bzw. die Unternehmensfinanzierung.

Neben Elementen aus der betriebswirtschaftlichen Beratung kommen beim Gründercoaching auch Elemente aus dem Business Coaching zum Tragen. So wird zum Beispiel wird erörtert, welches Geschäftsmodell zur Gründerperson und deren aktueller Lebenssituation am besten passt.

Der Coach steht dem Gründer im gesamten Prozess mit seiner Erfahrung und Fachexpertise zur Verfügung, weist auf Knackstellen und blinde Flecken ebenso wie auf (große) Chancen hin. Sollte es notwendig sein, begleitet der Coach den/ die Gründer*in auch zu wichtigen Verhandlungen, z. B. mit Kreditinstituten. Kommt eine Förderung durch die Arbeitsagentur bzw. das Jobcenter (Gründungszuschuss oder Einstiegsgeld) in Frage, unterstützt der Berater auch hier, u. a. mit einer fachlichen Stellungnahme.

 

 

Startups – Der Exit im Fokus

Wie funktioniert ein Exit?

Traditionelle Unternehmen werden gegründet, um langfristig von ihren Gründern geführt zu werden. In der Startup-Szene hat sich dagegen der Exit als Unternehmensziel etabliert. Das meint den Verkauf an ein anderes Unternehmen oder an einen Konzern.  Die Gründer verkaufen ihre Anteile und steigen aus dem jungen Unternehmen aus. Einige Mitglieder des Gründerteam arbeiten auch noch einige Zeit im Unternehmen weiter, dass dann jedoch anderen gehört.

Millionenschwere Übernahmen von Startups durch Google, Facebook & Co sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Doch wie fließt das Geld bei einem Exit wirklich und was bleibt für die Gründer?

Startup-Gründer verfügen über Ideen mit Innovationspotenzial, doch ihnen fehlt es im Regelfall an Kapital. So kommen private Investoren, sogenannte Business Angels oder andere Venture Capital (VC)-Geber, ins Spiel. Die wissen aber, dass von elf Startups acht bis neun in den ersten Jahren scheitern. Umso bewusster investieren sie. Sie sind auf der Suche nach Geschäftsideen mit viel Potenzial und sichern sich durch entsprechende Verträge Chancen auf einen möglichst renditeträchtigen Exit.

Am Anfang steht die Unternehmensbewertung

Ehe eine Investition jedoch getätigt werden kann, muss zunächst der Wert des Startups bestimmt werden. Anhand dieser wird entschieden, wie viele Geschäftsanteile ein Investor zu welchem Preis erhält. Differenziert wird dabei zwischen einem „Post-Money“-Wert, bei dem das neue Kapital bereits eingepreist ist und dem Wert davor („Pre-Money“).

Da die gängigen Methoden zur Unternehmensbewertung hier jedoch nicht anwendbar sind, sind Startup-Bewertungen im Wesentlichen nur Prognosen. Zugrunde gelegt werden verschiedene Faktoren, wie die Attraktivität des Marktes, die Reputation der Gründer oder der Innovationsgrad der Produkte. Von der Einschätzung der Investoren und der guten Vorbereitung der Gründer hängt ab, auf welchen Wert man sich einigt. Der wird dann vertraglich festgehalten. Damit aber nicht genug…

Ein VC-Vertrag enthält komplexe Klauseln

Das ist beispielsweise von Mitveräußerungsrechten und –pflichten (Tag Along und Drag Along) die Rede, von Bezugsrechten und Verwässerungsschutzmaßnahmen (Anti Dilution), sowie von Liquidations- / Erlöspräferenzen (Liquidation Preferences).

Letztere sind besonders entscheidend. Sie greifen automatisch, sobald sich der Exit durch Verkauf von mehr als 50 Prozent der Unternehmensanteile realisiert. Sie kommen aber auch bei Liquidation eines gescheiterten Startups zum Tragen. Und sie entscheiden, welche Gesellschafter bevorzugt abgefunden werden und damit auch letzlich, wer wie viel am Exit verdient.

Aus Investorensicht sind Liquidationspräferenzen absolut notwendig; ohne sie kann ein Investor bei schlechten oder mäßigen Exit-Erlösen nur verlieren. Aber sie können auch dafür sorgen, dass Anschlussfinanzierungen schwierig werden. Oder dass Gründer beim Exit finanziell unverhältnismäßig benachteiligt werden.

Die Präferenzen können höchst unterschiedlich gestaltet sein. Geläufig ist: Last in, First out, das heißt die Investoren werden in der Reihenfolge ihres Einstiegs – die Letzten zuerst – abgefunden.

Als besonders fair gilt die einfache Präferenz mit Anrechnung (non-participating). Sie dient dem Schutz des Investors für den Fall, dass das Unternehmen unter dem Wert verkauft wird, der Bemessungsgrundlage für sein Investment war. Dieser Fall könnte z. B. durch eine Drag-Along-Verpflichtung eintreten. Dann müssen alle Anteile verkauft werden, sobald der Mehrheitsgesellschafter verkauft. Dank der Präferenz kann der Investor aber sein eingebrachtes Geld retten.

Bei einer nicht anrechenbaren (participating) Präferenz verdient der Investor zusätzlich am Erlös pro Anteil, ohne dass die Rückzahlung seiner Einlage angerechnet wird. Das ist vor allem bei hohen Exit-Erlösen interessant.

Möglich sind zudem Zinsvereinbarungen. Allerdings können die Investorenansprüche durch eine vertraglich festgelegte Obergrenze, den sogenannten „Cap“ gedeckelt werden.

Liquidationspräferenzen mit einem Faktor >1 waren zu Zeiten des New-Economy-Booms durchaus geläufig. Aktuell sind sie, zumindest in der deutschen Startup-Szene, aber eher selten. Sie können aber als Ausgleich zur Anwendung kommen, wenn der Gründer eine höhere Bewertung durchsetzt als der Investor für realistisch hält.

Augen auf beim Abschluss von VC Verträgen!

Wie sich eine nicht anrechenbare Präferenz mit Faktor 2 auswirkt, erläutert dieses Beispiel:

Ein Investor gibt vier Millionen Euro in ein Startup mit einer Post-Money-Bewertung von zehn Millionen Euro. Er erhält eine 2-fache nicht anrechenbare Liquidationspräferenz und 40 Prozent der Geschäftsanteile. Die vier Gründer ihrerseits halten weiterhin 60 Prozent – pro Kopf jeweils 15 Prozent. Auf dem Papier ist nach der Kapitalzufuhr nun jeder Gründer zweifacher Millionär.

Nach einem Jahr wird das Startup für zehn Millionen Euro verkauft. Jetzt erhält der Investor seine Einlage doppelt zurück: acht Millionen Euro. Da die Präferenz nicht angerechnet wird, stehen ihm von den verbleibenden zwei Millionen aufgrund seiner Geschäftsanteile weitere 800.000 Euro zu. Er hat also seinen Einsatz mehr als verdoppelt. Den vier Gründern bleiben 1,2 Millionen Euro – pro Kopf somit nur 300.000 Euro für ihre gute Geschäftsidee und hunderte Stunden harter Arbeit.

Vor Abschluss eines VC-Vertrages sollten unterschiedlichste Exit-Szenarien durchdacht und berechnet werden. Nur so lassen sich gute und faire Vereinbarungen zu finden. Denn, wer an einem Exit wie viel verdient, entscheiden letztllich die Verträge.