Crowdfinancing

Crowdfinancing

Crowdfinancing

Moderne Finanzierungsformen im 21. Jahrhundert

Crowddonating – Crowdfunding – Crowdsponsoring – Crowdinvesting – Crowdlending

Crowdfinancing

ist der Sammelbegriff für verschiedene Formen von Kollektivfinanzierungen über das Internet, die sich auf Basis von Web 2.0-Technologien seit der Jahrtausendwende zum Teil völlig unabhängig voneinander entwickelt haben. Wer sich für Crowdfunding als Finanzierungsmethode interessiert, stößt folglich eine Reihe englischsprachiger Begriffe, die oft mehr verwirren als erklären.Crowddonating oder „donation based Crowdfunding“ ist die Form selbstlosen Geldspendens für einen guten Zweck – bei uns mehr unter dem Begriff „Fundraising“ bekannt. Die ersten, die neben sozialen Projekten und Wohltätigkeitsorganisationen auf diese Weise um finanzielle Unterstützung in der Crowd warben, waren Entwickler von Open Source Software oder klassische Crowdsourcing-Projekte wie Wikipedia.

Crowdsponsoring oder „reward-based Crowdfunding“

werden im Deutschen oft schlicht nur „Crowdfunding“ genannt. Sie begannen ihren Siegeszug mit der Finanzierung von unabhängigen („indie“) Musikern und Filmemachern.  Erweitert wurden die Crowdsponsoring-Palette sukzessive mit Angeboten vor allem über Plattformen wie Indiegogo (zunächst mit dem Fokus auf Filmschaffende)  und Kickstarter (mit dem Fokus auf Startups und Produktideen). Dieses über Internetportale organisierte Crowdfinancing fand bald Nachahmerprojekte in Europa.

Crowdinvesting

Schon bald wurden über die Masse der Internetuser („Crowd“) mittel- bis langfrisitige Mikroinvestitionen für Unternehmen eingeworben – nicht zuletzt befördert duch die Kreditklemme in der weltweiten Finanzkrise nach 2008. Hierbei spricht man in Deutschland von Crowdinvesting. Dabei handelt es sich aber nur selten um echtes Beteiligungskapital („equity-based Crowdfunding“) wie (stille) Teilhaberschaften oder Aktien, sondern meist um Darlehen („lending-based Crowdfunding“), die über einen festgesetzten Zeitraum gegen Zinsen und Gewinnbeteiligung gewährt werden. Durch Beteiligung am Gewinn bei gleichzeitigem Verlustrisiko haben diese jedoch den Charakter einer echten Investition. Insofern passt der „denglische“ Begriff Crowdinvesting. In den USA, Canada oder Großbritannien ist diese Bezeichnung allerdings genauso wenig bekannt wie die im D-A-CH-Raum anzutreffenden Finanzkonstrukte: „Genussrechte“  oder „partiarische Nachrangdarlehen“. Im englischsprachigen Raum geht es in der Regel um direkte Kapitalbeteiligungen. Darum spricht man hier von „equity crowdfunding“.

Crowdlending bzw. Peer-to-Peer (P2P) Lending…

ist dagegen abzugrenzen. Letzteres hat sich als kurz- bis mittelfristige Darlehensvergabe seit 2005 im Netz etabliert. Die Darlehenssummen bewegen sich fast ausschließlich im Mikrofinanzbereich, also bis 25.000 Euro, bei Laufzeiten bis zu max. fünf Jahren. Seit einigen Jahren werden jedoch für mittelständische Bestandsunternehmen auch höhere Summen auf diesem Wege vermarktet. Sie gelten manchen als attraktive Kapitalanlage in den aktuellen Niedrigzinszeiten.

Neben den genannten vier Hauptformen gibt es diverse Mischformen. So werden zuweilen im Rahmen von Crowdinvestings auch typische Sponsoringleistungen angeboten oder Crowdvoting-Prozesse mit Crowdsponsoring verknüpft.

Der Crowdfunding-Ratgeber

Der Crowdfinancing-Ratgeber von Ilona Orthwein
Zur Vertiefung empfehlen wir den 2014 erschienenen Ratgeber von Ilona Orthwein

In 5 Schritten zum gelungenen Funding:

  1. Arbeiten Sie an Ihrem Konzept! Das A & O für ein gelungenes Projekt ist ein gut durchdachtes Konzept. Selbst, wenn Sie mit einer guten Kampagen einen unerwartet hohen Betrag einsammeln sollten, kann, wenn Ihr Konzept, zu dem auch die Kalkulation gehört, nicht wirklich gut durchdacht und „auf Herz und Nieren geprüft“ wurde, kann das Ganze am Ende nicht funktionieren und Sie ernten neben allem Ärger den Frust der Internetgemeinde…! Prominentes Beispiel: The Coolest Cooler
  2. Prüfen Sie, welche Crowdfinancing-Methode für Sie und Ihr Vorhaben in Frage kommt: Ist Ihr Konzept so, dass es sich leicht im Internet kommunizieren lässt? Sind Sie Internet affin genug, um die Kampagne vorzubereiten und zu begleiten? Ist die benötigte Summe so angesetzt, dass sie eine Chance auf eine Finanzierung hat? (Selten werden Hunderttausende oder gar Millionenbeträge eingesammelt). Insgesamt empfiehlt sich eine Kombination aus Crowdfinancing und klassischen Finanzierungsmethoden (Bankkredite, Fördermittel, Bürgschaften, Factoring…)
  3. Wenn für Sie eine oder mehrere Methoden in Frage kommen, überlegen Sie sich, auf welcher Fundingplattform Sie das Projekt lancieren bzw. ob Sie vielleicht in der Lage sind, ganz ohne Plattform – diese nimmt üblicher Weise 10 Prozent des eingesammelten Geldes für Ihre Leistungen – auszukommen. Auch sollten Sie sich bewusst sein, dass die Plattformen bestimmte Ausrichtungen haben, nicht alle gleich gut frequentiert sind und keine Plattform gezwungen ist, Sie und Ihr Projekt aufzunehmen.  Eine gute Übersicht über die aktuellen Crowdfunding-Plattformen finden Sie unter: http://www.crowdfunding.de/plattformen/
  4. Planen Sie Ihre Kampagen sorgfältig! Auch wer über eine Plattform sein Funding abwickelt, kann sich nicht entspannt zurücklehnen, sobald das Projekt dort platziert ist. Mit Beginn der Kampagne beginnt die Hauptarbeit: Die Werbung in der Crowd und die Kommunikation mit der Crowd. Da wir uns im Web 2.0 bewegen, heißt das virtuellen Dialog in Echtzeit zu führen – und nicht nur während der Kampagne sollte präsentiert, informiert und auf Fragen geantwortet werden; wer das Vertrauen der Crowd nicht verlieren will, muss auch nach gelungenem oder misslungenem Funding „am Ball bleiben“ und – zumindest seine Fans, Unterstützer und Kapitalgeber – regelmäßig über Projektfortschritte und auch Schwierigkeiten unterrichten.
  5. Wenn alles geschafft ist: Die Kampagne gelaufen, das Geld eingesammelt, das Projekt auf den Weg gebracht, beginnt der Teil, den viele Crowdfunder gerne verdrängen: Es müssen ggf. Steuern und Abgaben bezahlt werden. Wer über Crowdfinancing als Unternehmer oder Freiberufler bzw. Künstler Gelder einwirbt, muss genauso Steuern zahlen wie jeder andere. Eine echte Schenkung liegt im seltensten Fall vor. Diese ist z. B. im Projekt „Mein Grundeinkommen“ gegeben, denn hier gibt es für die Schenkung keinerlei Gegenleistung seitens des Beschenkten. Die allermeisten Crowdfunder-Projekte beruhen jedoch auf einer Gegenleistung. Dabei ist es juristisch irrelevant, ob es sich bei der Gegenleistung um einen materiellen Wert oder um einen ideellen Wert handelt, wie etwa die Nennung des eigenen Namens innerhalb des Projektes. Und auch wenn keine Gegenleistung erfolgt, kann juristisch nicht von einer Schenkung gesprochen werden. Es fallen also Einkommensteuer, ggf. Umsatzsteuer und auch Abgaben, z. B. für die Künstlersozialkasse an. Daher ist es ratsam, sich ausführlich über die steuerlichen Fragen zu informieren und sich kompetent beraten zu lassen. Dies gilt umso mehr, wenn hohe Geldbeträge im Spiel sind.- Wir arbeiten hier mit unseren langjährigen Geschäftspartnern von der Berliner Steuerkanzlei KWWM zusammen, sowie im Vertragsrecht, z. B. mit der Kanzlei Schumann.

Crowdfinancing für den Mittelstand

Crowdfinancing, hier im Regelfalle als Crowdinvesting oder Crowdlending, bietet mittelständischen Unternehmern die Chance, sich abseits der sonst üblichen Kapitalbeschaffungsmaßnahmen neue Kapitalquellen zu erschließen. So erhalten mittelständische Unternehmen, je nach vertraglicher Ausgestaltung, sog. Mezzanine-Kapital, welches von klassischen Kreditgebern wie Banken und Sparkassen als Eigenkapital gewertet wird und damit hilft, dort bessere Konditionen zu bekommen.

Marketing-Motor Crowdfinancing

Zudem bietet Crowdfinancing mittelständischen Unternehmen die Möglichkeit, durch die Schaffung von erhöhter medialer Reichweite im Zusammenhang mit der Funding-Kampagne, sich neue Zielgruppen und ggf. auch neue Vertriebswege zu erschließen und somit zusätzliche Umsätze zu generieren. Das Ganze gibt es zwar nicht zum Nulltarif, aber stellt man die Kosten für eine Crowdfinancing-Kampagne den sonst notwendigen Kosten gegenüber, die ein Unternehmen aufwenden müsste, um die gleichen Reichweiten-Effekte und Vorteile zu erzielen, hat Crowdfunding deutliche Kostenvorteile bieten.

Vorteile für Crowdinvestoren

Die Stärkung der mittelständischen Wirtschaft ist ein wichtiger Aspekt für die Crowd, die hier investiert. Anleger können direkt in Unternehmen investieren, die den eigenen Wertvorstellungen entsprechen. Die Investitionen fließen dabei und ohne Umwege in das Unternehmen, wo das Geld dann entsprechend der kommunizierten Ziele eingesetzt wird. Dass der deutsche Mittelstand, als wichtiger regionaler Arbeitgeber, traditionell bemüht ist, die lokale Wertschöpfungskette aufrecht zu erhalten, spielt für viele Crowdinvestoren eine wichtige Rolle.

Crowdinvestoren haben außerdem die Chance mit Investitionen in den Mittelstand attraktive Rendite zu erzielen. Und ihre Investitionen gehen in bewährte Geschäftsmodelle, denn im Vergleich zu einer Kapitalanlage in ein neugegründetes Unternehmen (Startup), das sich erst noch am Markt beweisen muss, investiert man beim Mittelstand in bereits etablierte Unternehmen mit realen Umsätzen und bereits existierendem Produktportfolio, die nach Kapital für Wachstumsvorhaben suchen. Beim Crowdinvesting besteht eine feste vertragliche Verbindung zwischen dem Anleger und dem mittelständischen Unternehmen. Crowdinvestoren erhalten Einblicke in die geschäftliche Ausrichtung des Unternehmens und werden über die Entwicklung regelmäßig informiert. Etablierte Mittelständler, die einen guten Ruf zu verlieren haben, werden dieser Verpflichtung zuverlässiger nachkommen als viele Marktneulinge aus der Startup-Szene. Somit sollte das Verlustrisiko bei mittelständischen Investitionen auch geringer sein als im Startup-Bereich. Allerdings haben auch hier Crowdinvestoren kein Mitspracherecht bei den unternehmerischen Entscheidungen der Kapitalnehmer.

Merken

Merken